Verschiedene Sprachen für den internationalen Handel?

Die Welt ist nahe zusammengerückt, zumindest könnte man es so empfinden. Digitale Produkte wie Apps können theoretisch von jedem Winkel der Welt aus heruntergeladen und bedient werden. E-Commerce ist das ganz große Geschäft und selbst der traditionelle Handelsweg Import/Export kann in der vernetzten Welt einfacher abgewickelt werden.

Und trotzdem ist es mühselig, den internationalen Handel zu entwickeln und Märkte in aller Welt zu erobern. Dieser Schritt bedeutet viel mehr, als sich ein kleines Eckchen im Cyberspace einzurichten und auf das Beste zu hoffen, das meist nicht von alleine kommt.

Englisch spricht nicht jeder, meinen Sie?

Laut Angaben von Statista sprechen etwa anderthalb Milliarden Menschen weltweit Englisch auf unterschiedlichem Niveau. Eine ziemlich beeindruckende Zahl – bis man feststellt, dass dies im gleichen Atemzug bedeutet, dass fünfeinhalb Milliarden Menschen kein Englisch beherrschen. Vielleicht ist das ein kleiner Schock, besonders für Touristen, die instinktiv einfach Worte wiederholen, nur langsamer und lauter, wenn sie auf ein weniger ausgeprägtes Sprachtalent treffen. Der größte Teil der Weltbevölkerung spricht nun einmal kein Englisch. 

Hinzu kommt, dass von besagten anderthalb Milliarden Menschen nur 375 Millionen Muttersprachler sind (interessanterweise ist Englisch keine offizielle Muttersprache im Vereinigten Königreich oder in Amerika, obwohl die meisten Einwohner gebürtige englische Muttersprachler sind). Aus zuvor genannten Gründen ist Englisch noch immer die meistverwendete Sprache im Internet. Englisch gilt in der Geschäftswelt als Lingua Franca, aber zahlreiche Studien belegen, was einem eigentlich auch schon der gesunde Menschenverstand verrät: Internetnutzer, die Englisch als Fremdsprache sprechen, bevorzugen insbesondere beim Onlineshopping Websites in ihrer eigenen Muttersprache.  

Je nachdem, welche Produkte oder Dienstleistungen Sie anbieten, reicht es mitunter nicht aus, Ihren Content einfach nur zu übersetzen. Im Rahmen einer gründlichen Lokalisierung kann es erforderlich sein, Ihre Website oder Ihr Produkt an die kulturellen Vorlieben und Erwartungen des Zielmarktes anzupassen. Dies kann viel Zeit in Anspruch nehmen und kostenintensiv ausfallen. Für welche Sprachen sollten Sie sich also entscheiden?

Für den richtigen Markt lokalisieren

Eine weitere Statistik besagt, dass mehr als 7.000 verschiedene Sprachen weltweit aktiv gesprochen werden. Wir wollen keine diese Sprachen abwerten, aber einige stellen eher, sagen wir mal „Nischenmärkte“ dar als andere. Sie werden niemals die gesamte Weltbevölkerung erreichen, selbst McDonald’s oder Facebook würden das nicht schaffen (auch wenn beide auf einem guten Weg sind). Deswegen können einige Sprachen durchaus von der Prioritätenliste gestrichen werden.

Eine Studie von TechCrunch beschäftigte sich mit Unternehmen, die als „Unicorns“, also Einhörner, bezeichnet werden. Dabei handelt es sich um all jene US-Firmen, die es den vergangenen Jahren zu einer Milliarden-Dollar-Bewertung oder mehr geschafft haben. Das Unternehmen unter ihnen, das am meisten mit Übersetzungen arbeitet, international am aktivsten ist und 33 verschiedene Sprachen spricht, ist das Technologieunternehmen Tinder. Uber, Jawbone und Box nutzen mehr als 30 Sprachen. Von diesen Technik-Giganten gibt es allerdings weniger als zehn Unternehmen. Nach Angaben des SVB IEO Report 2015 sind 90 Prozent der Onlineverbraucher mit 25 verschiedenen Sprachen zu erreichen. Es ist also bedeutend sinnvoller, Ihren Zielmarkt zu lokalisieren, als einen allumfassenden Ansatz zu verfolgen.

Welche die besten zu lokalisierenden Sprachen und Märkte sind, hängt natürlich in erster Linie von der Art Ihres Unternehmens ab. Über Google Analytics können Sie sich informieren, woher die Besucher Ihrer Website kommen. Dies kann ein guter Anhaltspunkt sein. Eine gründliche Marktforschung ist jedoch der Schlüssel zum Erfolg, insbesondere bevor Sie viel Zeit und Geld in ein großes Lokalisierungsprojekt investieren.

Als beliebteste Sprachen der TechCrunch-Unicorns wurden Englisch, Französisch, Deutsch und Japanisch angegeben. Mandarin-Chinesisch ist weniger gefragt, obwohl es die meistgesprochene Muttersprache der Welt ist. Das mag überraschen, insbesondere weil es sich hierbei um einen der aufstrebenden neuen Märkte handelt. Womöglich liegt das an dem übermächtigen Kontrollsystem in China, das den chinesischen Markt für Unternehmen aus der Technologiebranche wenig attraktiv macht. Allerdings bevorzugen die meisten Konsumenten ohnehin die heimischen Marken.

Anbieter von Videospielen lokalisieren oder internationalisieren ihre Produkte häufig in den EFIGS-Sprachen (Englisch, Französisch, Italienisch, Deutsch, Spanisch) und in CJK (Chinesisch, Japanisch, Koreanisch), um die Märkte mit den besten Absatzchancen zu erobern. Man sollte dabei aber unbedingt berücksichtigen, dass ein Spiel in einem Markt besonders erfolgreich laufen kann und in einem anderen nicht. Das gilt vor allem für Spiele, die auf Geschichten basieren.

Bei jedem Markt sollten Sie stets auf die kulturellen Präferenzen des Zielpublikums achten und im Vorfeld herausfinden, ob es für Ihr Produkt Absatzchancen auf dem jeweiligen Markt gibt. Bevor Sie sich in ein Lokalisierungsprojekt stürzen...

(Bildnachweis: Dragon Images/Shutterstock.com)