Übersetzung per Crowdsourcing

Ähnlich wie beim Outsourcing, bei dem traditionell interne Unternehmensaufgaben und –strukturen an Drittunternehmen ausgelagert werden, bezeichnet auch das Crowdsourcing eine Art der Auslagerung. Der Begriff, eine Verschmelzung aus dem englischen Wort „Crowd“ für Menschenmenge und dem Begriff Outsourcing, bezeichnet das Sammeln von Ideen und Rückmeldungen von außerhalb, beispielsweise wenn Internetuser Apps oder Webanwendungen testen, Feedback zu gefundenen Fehlern geben und so die Benutzerfreundlichkeit verbessern.

Der Einsatz von Crowdsourcing im Dienstleistungsbereich, beispielsweise im Rahmen einer Community, kann große Nachteile für professionelle Anbieter bedeuten, deren Leistungen nun von Laien durchgeführt werden. Hinzu kommt, dass die Leistung einer Crowd die professionelle Qualität herabsetzen kann. Schließlich greift das Unternehmen dabei auf die verschiedenen Kompetenzen und Ideen der Community-Mitglieder zurück und kann hierbei Geld sparen. Das geht vom Verfassen von Artikeln über das Mitgestalten der Produkte bis hin zu der Beteiligung an Projekten – schließlich hält die große Internetgemeinde eine Vielfalt an unterschiedlichen Interessen und Expertenwissen bereit.

Das wohl bekannteste Beispiel für den Einsatz von Crowdsourcing im Übersetzungsbereich ist Facebook mit seinen weltweit 350 Millionen Nutzern. Im Jahr 2007 wendete sich Facebook an seine Mitglieder und bat um Unterstützung bei der Lokalisierung der Benutzeroberfläche. Innerhalb weniger Wochen wurde Facebook nach eigenen Angaben von 300.000 freiwilligen Übersetzern in mehr als 70 Sprachen übersetzt und die Übersetzung anschließend qualitätsgesichert.

Da der Bedarf an Übersetzungen weltweit wächst, griff der internationale Übersetzerdachverband FIT (Fédération Internationale des Traducteurs) das Thema Crowdsourcing im Juni 2015 in einer Stellungnahme auf. Experten prophezeien, dass sich der Übersetzungsmarkt von 2010 bis 2020 um über 40 Prozent vergrößern wird. Deshalb gewinnt das Übersetzen per Crowdsourcing im nichtprofessionellen Bereich – es sind häufig Freiwillige oder geringfügig bezahlte Kräfte mit unterschiedlichen Qualifikationen – zunehmend an Bedeutung.

Crowdsourcing wird bereits mit steigender Tendenz in Kanada, den USA und auch in Schweden bei bestimmten Übersetzungsprojekten von Translators without Borders eingesetzt. Der Übersetzerdachverband FIT weist in seiner Stellungnahme auf die Vor- und Nachteile von Übersetzungsvergabe per Crowdscourcing hin. Wird der Arbeitsprozess an eine Gruppe von Internetnutzern ausgelagert und sorgfältig genutzt, kann dies Vorteile bringen, so die FIT – die hohe Geschwindigkeit, die Skalierbarkeit und das Feedback der Nutzer.  

Crowdsourcing birgt jedoch auch viele Risiken. Dies gilt besonders für die Sicherung der Qualität, die Vertraulichkeit, den Schutz des geistigen Eigentums und die Zuverlässigkeit. Die FIT empfiehlt deshalb, sich folgende Fragen vor Übersetzungsvergabe per Crowdsourcing zu stellen:

  • Wie können zuverlässige Übersetzer, Dolmetscher und Terminologen gefunden werden, die geeignete Lösungen liefern können?
  • Welche Nachteile ergeben sich für das Projekt, wenn vertrauliche Informationen weitergegeben werden oder Rechte an geistigem Eigentum verletzt werden? 
  • Gibt es Experten im Unternehmen, die die Leistung der Crowd fachlich beurteilen können?
  • Gibt es einen Notfallplan, falls ein Schadensfall aufgrund der mit dem Crowdsourcing verbundenen Risiken eintritt?

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Crowdsourcing eine moderne Form der Arbeitsteilung darstellt, was zu den Grundprinzipien des Wirtschaftens zählt. Ermöglicht wird diese neuartige Methode durch technologischen Fortschritt und das Aufkommen des Internet. Unternehmen nutzen für ihre Zwecke die Intelligenz der großen Menge – die sogenannte Schwarmintelligenz – und die leichte Erreichbarkeit der User.

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