Vom Hochschulabsolventen zum professionellen Übersetzer

Wie man eine Karriere als Übersetzer/Lektor aufbaut

Lingo24 wird oft von Sprachstudenten, Hochschulabsolventen und graduierten Linguisten - sowie von Experten aus anderen Industriezweigen, die ebenfalls über ausgezeichnete Sprachkenntnisse verfügen - um Rat gefragt, wie sie am besten eine Übersetzerlaufbahn einschlagen können. Dies mag zwar wie eine einfache Anfrage klingen, aber die Antwort ist alles andere als simpel. Es gibt nämlich keinen "idealen" Weg, um eine Karriere als Übersetzer aufzubauen: Die Wege zum erfolgreichen professionellen Übersetzer sind vielzählig und sehr verschieden.

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1. Hochschulabschluss in einer Sprachwissenschaft (Literaturwissenschaft)

Sie wissen, was Sie am Ende sein wollen: ein wirklich professioneller Übersetzer. Wie Sie es dazu bringen, hängt jedoch davon ab, wo und wie Sie beginnen! Sehen wir uns also mal die drei typischsten Szenarien an.

Ein guter Hochschulabschluss in einer Sprachwissenschaft (Magister, B.A. Hons oder gleichwertig) ist zweifellos ein guter Ausgangspunkt, wenn Sie eine Übersetzerkarriere einschlagen wollen, da heutzutage selbst die literaturbezogensten Studiengänge zumindest ein kleines Übersetzungselement umfassen. Bedenken Sie außerdem, dass die Texte, die in herkömmlichen literaturbezogenen Sprachseminaren für Übersetzungszwecke verwendet werden, oft Auszüge aus Romanen oder Zeitungen und Zeitschriften sind. Obwohl diese Art der Übersetzung eine solide Grundlage bietet, haben derartige Ausgangstexte in der Regel wenig mit den Texten gemein, die ein professioneller Übersetzer meistern muss. Daher sollten Sie Ihr Vokabular in wenigstens einer oder sogar in mehreren Ihrer Fremdsprachen ausbauen und gleichzeitig Ihre Kenntnisse in mehreren Fachgebieten vertiefen, die - wenn alles nach Plan läuft - später Ihre "Übersetzungsspezialisierungen" werden. Wenn es Ihre finanzielle Situation erlaubt, würden Ihnen einige weitere Studiensemester und ein zweiter Hochschulabschluss - z.B. in Jura, Finanzwirtschaft oder Technik - zu einer langfristig besseren Position auf dem Übersetzungsmarkt verhelfen.  Es ist allerdings nicht leicht, das Niveau Ihrer Fremdsprachenkompetenz aufrechtzuerhalten, während Sie ein weiteres Fach studieren. Ein Weg, dies während Ihres zweiten Studiengangs zu erreichen, ist ein Auslandsstudium. Alternativ können Sie aber auch so viel Zeit wie möglich - beispielsweise während der Semesterferien - in jenem Land verbringen, in dem die Sprache, deren Kenntnis sie lebendig erhalten oder verbessern wollen, gesprochen wird.  

Eine weitere sinnvolle Maßnahme ist, sich für ein weiterführendes Studium im Bereich Übersetzung (und/oder Dolmetschen) zu immatrikulieren.

http://www.linse.uni-essen.de/linse/rezensionen/erstsemesterrezensionen/becker_mrotzek.html

http://www.linse.uni-essen.de/linse/publikationen/berufshandbuch.html

http://www.lexicool.com/courses_uk.asp

http://www.lexicool.com/courses_usa.asp

Solche Lehrveranstaltungen bieten hoch motivierten Absolventen philologischer Studiengänge eine ideale Gelegenheit, mehr jener Fähigkeiten und Kenntnisse zu erwerben, die ein professioneller Übersetzer haben muss. Studienblöcke decken nicht nur verschiedene Arten der Übersetzung ab (von technischen über juristische bis hin zu kommerziellen Texten), sondern auch eine breite Palette zusätzlicher Fächer wie Übersetzung in Theorie und Praxis, internationale Institutionen und internationales Recht, europäische Geschichte und sozio-politische und kulturelle Hintergründe sowie Linguistik. Ausgerüstet mit einem weiterführenden Übersetzungs- Hochschulabschluss oder einem Diplom, sind Sie für eine Übersetzungsagentur und jedes andere Unternehmen, das einen Hausübersetzer sucht, wesentlich interessanter.

2. Hochschul-/Diplom-Studiengänge für Übersetzer (angewandte Sprachwissenschaften)

Wissenswert!

Die 10 häufigsten Sprachen im Internet

  • Englisch
  • Chinesisch
  • Japanisch
  • Spanisch
  • Deutsch
  • Koreanisch
  • Französisch
  • Italienisch
  • Russisch
  • Brasilianisches Portugiesisch  

Sollten Sie sich bereits vor dem Verlassen der Schule sicher sein, dass der Beruf des Übersetzers der Richtige für Sie ist, dann lohnt es sich, die breite Palette der derzeit von Universitäten angebotenen Übersetzerabschlüsse zu begutachten.

BERUFENET

Die Aufnahmebedingungen für Übersetzerkurse sind für gewöhnlich hoch. Sie sollten sich deshalb während der letzten Schuljahre ernsthaft um gute Leistungen bemühen, wenn Sie für einen der heißbegehrten Studienplätze in Frage kommen wollen. Darüber hinaus garantieren Spitzennoten in Ihren Prüfungen allein manchmal immer noch keinen Platz in diesen beliebten Kursen: In vielen Fällen haben die Universitäten, die solche Kurse anbieten, derart viele hervorragende Bewerber für eine nur begrenzte Anzahl von Plätzen, dass sie die Kandidaten zusätzlich einzeln interviewen, um deren Eignung persönlich zu beurteilen. Als Vorbereitung auf ein solches Vorstellungsgespräch empfiehlt es sich, dass Sie sich mit der gegenwärtigen Weltpolitik vertraut machen und sich ein gutes Verständnis der Arbeit und Interaktion der bedeutendsten politischen Institutionen aneignen. Zu diesem Zweck sollten Sie unbedingt regelmäßig einen repräsentativen Querschnitt angesehener Zeitungen lesen und sich mit politischen und wirtschaftswissenschaftlichen Publikationen in der anvisierten Landessprache vertraut machen, die das Weltgeschehen ausführlicher behandeln.  

Wenn Sie überzeugt sind, dass der Beruf des Übersetzers genau der Richtige für Sie ist, wird sich all die mühevolle Arbeit, die notwendig ist, um einen Platz in einem der universitären Übersetzungskurse zu erlangen, bezahlt machen. Was Sie erwartet, sind mindestens vier Jahre (eines davon üblicherweise an ähnlichen Sprachinstituten im Ausland) intensiver Unterricht in den verschiedenen Techniken und Fähigkeiten, die Sie für Ihren gewählten Beruf brauchen werden. Dadurch haben Sie einen deutlichen Vorteil gegenüber denjenigen, die die Universität mit einem klassischen Sprachabschluss verlassen.

3. Erfahrung auf einem weiteren Gebiet und gründliche Kenntnis einer oder mehrerer Sprachen

Es überrascht wenig, dass es sich bei denjenigen freiberuflichen Übersetzern, die bei Agenturen wie Privatkunden am begehrtesten sind, in der Regel um Spezialisten auf einem bestimmten Gebiet handelt. Wenn ein Projektleiter zum Beispiel einen Übersetzungsauftrag für ein pathologisches Gutachten vergeben muss und nur einer der 20 qualifizierten medizinischen Übersetzer auf seiner Liste tatsächlich einen Hochschulabschluss in Pathologie besitzt, ist doch klar, welcher Übersetzer als erster kontaktiert wird... Genauso verhält es sich, wenn ein Ölunternehmen einen erstklassigen Übersetzer kennt, der zudem in seinem "früheren Leben" zehn Jahre oder länger in der Ölindustrie beschäftigt war: Der besagte Übersetzer ist die natürliche Wahl, wenn die Firma ihre Verfahren zur Betriebssicherheit auf Bohrinseln übersetzen lassen will.  

Wie bereits erläutert, ist Fachwissen allein nicht ausreichend; hoch entwickelte Sprachkenntnisse und Sprachgefühl sind ebenfalls grundlegende Voraussetzungen für jeden professionellen Übersetzer. Persönliche Umstände bestimmen häufig, wie solche Kenntnisse im Einzelfall von denjenigen erworben werden, die sich zugleich auch auf anderen Gebieten betätigen. In manchen Fällen hatten sie das Glück, in einer Familie aufzuwachsen, in der zwei Sprachen gesprochen wurden, was Ihnen einen unmittelbaren Vorteil verschafft. Andere haben vielleicht ein Sprachstudium absolviert, dann zeitweilig eine andere Laufbahn eingeschlagen und später beschlossen, doch lieber wieder im Bereich Sprachen aktiv zu werden. Noch eine andere Möglichkeit ist, dass die Fremdsprachenkenntnisse nicht das Ergebnis einer formalen Ausbildung sind, sondern während einer längerfristigen Tätigkeit im Ausland erworben wurden.

Bei all diesen unterschiedlichen Szenarien fehlt jedoch möglicherweise eine unerlässliche Eigenschaft, die einen erfolgreichen Übersetzer auszeichnet, nämlich die Fähigkeit, in seiner Muttersprache gut zu schreiben. Diese Fertigkeit ist von absolut grundlegender Bedeutung.

Wenn Sie also erwägen, den Beruf zu wechseln und eine Übersetzerlaufbahn einzuschlagen, vergewissern Sie sich vorab, dass Sie über ausgezeichnete Schreibfertigkeiten in Ihrer Zielsprache (d. h. in Ihrer Muttersprache) verfügen. Zahlreiche Publikationen bieten Hilfen zu der Frage, wie man gute Schreib- und Editiertechniken entwickeln und selbstkritischer werden kann.

http://www.textartmagazin.de/  

Writers' News, Writing Magazine und Poets and Writers sind zwei gute Informations- und Hinweisquellen, insbesondere die Letztere, die jeden Monat Artikel über gute Schreibpraxis in den verschiedensten Bereichen, einschließlich Technik und Recht, veröffentlicht. Ein weiterer Weg, den eigenen Schreibstil zu verbessern, ist das häufige Lesen von Texten anderer Autoren. Wenn Ihr gewähltes Fachgebiet Medizin oder Veterinärmedizin ist, abonnieren Sie die relevante Fachzeitschrift in der Zielsprache [http://www.thieme.de/dmw/] [www.schluetersche.de], oder wenn Sie sich im Bereich Finanzen spezialisieren möchten, versuchen Sie, täglich beim Frühstück wenigstens ein paar Seiten der "Financial Times" (oder einer vergleichbaren Publikation in Ihrer Muttersprache) einzuverleiben. Je vertrauter Sie mit der Terminologie werden, die auf Ihrem Gebiet von erfolgreichen professionellen Autoren verwendet wird, desto besser sind Sie darauf vorbereitet, Übersetzungen zu liefern, die sich nicht nur gut lesen lassen, sondern auch terminologisch richtig sind. Unterschätzen Sie darüber hinaus niemals den enormen Aufwand an sorgfältiger Recherche, die notwendig wird, wenn Sie einen neuen Auftrag annehmen. Denn, ganz egal, wie viel Sie auch über ein bestimmtes Thema wissen, es wird immer wieder mal ein Wort, Begriff oder Konzept auftauchen, das Ihnen noch nie zuvor begegnet ist - und es kann manchmal Stunden dauern, dafür die passende Übersetzung zu finden!